Deutschland und " Femonationalismus" / by Edna Bonhomme

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Die Geschichte des deutschen Feminismus ist eine durchwachsene Geschichte, da sie von unterschiedlichen und widersprüchlichen feministischen Traditionen durchzogen ist. Es wurden aber einige Frauen* zurückgelassen. Im frühen 20. Jahrhundert plädierten sozialistische Feministinnen wie Clara Zetkin und Rosa Luxemburg für das vollständige Wahlrecht und die politische Beteiligung von der Arbeiterklasse und Migrantinnen, währenddessen aber die deutsche Feministin Helene Stöcker die Eugenik für „für Hebung der Rasse“ verehrte obwohl sie sich in der Natur unterschieden hatte. Der Feminismus im heutigen Deutschland beschäftigt sich auch mit unterschiedlichen Perspektiven und Versionen des Feminismus.[1] Auf der einen Seite hat der Aufstieg der Parteien eine neue Art von Feministin hervorgebracht. Die Gelehrte Sara Farris bezeichnet diese Entwicklung als Femonationalismust. Das heißt, selbstbeschriebene „Feministinnen“, die den Nationalismus befürworten und Menschen mit Migrationshindergrund feindlich behandeln. Im Gegensatz gibt es auch einen anderen Feminismus. Initiativen wie Frauen* Streik bieten eine andere Art von Feminismus, der hofft, die giftigen Elemente des elitären und bürgerlichen Feminismus zu reparieren.

In den frühen 2000er Jahren war der Femonationalismus vor allem in benachbarten europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und den Niederlanden zu beobachten. Die Ideologie hat jedoch einen stärkeren Ansturm in der Wahlpolitik in Deutschland erlebt. Die Alternative für Deutschland Partei (AfD) hat versucht, Frauen unter der Leitung von Alice Weidel und Beatrix von Storch sowie die Entwicklung von Frauen in der Alternativ (FridA) anzusprechen. Die Arbeitsgruppe möchte ihre weibliche Führungsrolle für weibliche AfD Wählerinnen in der EU stärken. Einige Mitglieder der AfD setzten  sich für die Rechte der Frauen ein, und zwarmit der die Sprache der "Me Too" -Bewegung. Ihre politische Position ist jedoch in einer anti-islamischen Rhetorik verankert, die dann eine anti-feministische Politik reproduziert – verbunden (Mutterschaft) mit rechten Ideen zu produktiven und sozialen Fortpflanzung in der Gesellschaft.

Wie wird Femonationalismus im deutschen Kontext artikuliert und umgesetzt? Eine Möglichkeit, den Femnonationalismus in Deutschland zu verstehen, besteht darin, die wechselnde Skala von Produktion und sozialer Reproduktion zu beobachten. In Deutschland hat der Femonationalismus die Arbeitsbedingungen im Land beeinflusst. Zum Beispiel hat ein Berliner Gericht eine muslimische Lehrerin daran gehindert, ein Kopftuch zu tragen, wodurch der Lehrer vorübergehend arbeitslos wurde und einer anderen Institution zur Arbeit zugewiesen wurde. Femnonationalisten wollen, dass muslimische Praktiken im öffentlichen Raum verurteilt werden und muslimische Frauen in ihrer Handlungsfreiheit entmächtigt werden. Dies ist ein entscheidender Gegensatz, weil Feminismus definiert sich wenn es um Frauen geht, die Kontrolle überihre Arbeit und körperliche Autonomie zu bewahren, und keine rechtlichen Strukturen oder Einschränkungen werden verwendet, um das Verhalten und die Zusammensetzung von Frauen zu bestimmen - unabhängig von ihrer Religion.

Eine andere Dimension des “Femonatonalismus” hängt mit der sozialen Reproduktion zusammen. Auch rechtsextreme Parteifrauen haben sich gegen Abtreibungsrechte ausgesprochen und unterstützen Artikel 218 und Artikel 219a  in der deutschen Verfassung. Diese nationalsozialistischen deutschen Dekrete definieren Abtreibung als Mord und verbieten Ärzten die Werbung für Abtreibungen in Deutschland. Die Polarisierung zwischen Anti-Choice- und Pro-Choice-Aktivisten überschneidet sich in der Geschichte der öffentlichen Gesundheit und der Medizin. Feministinnen, die für Abtreibung sind, haben eine Bewegung entwickelt, in der Frauen und queere Menschen weltweit dafür kämpfen, Kontrolle und Autonomie über ihren Körper zu haben.

Der Frauen * Streik am 8. März formulierte ein Internationalist Alliance-Kontingent, das sich hauptsächlich aus Frauen*, Transgender Menschen  und Intersexuellen zusammensetzte, eine neue Form des Feminismus, die das Gefängnisungerechtigkeitssystem herausforderte. Etwa tausend Menschen versammelten sich außerhalb der Justizvollzugsanstalt für Frauen* Berlin, dem Frauengefängnis im ehemaligen Ostberlin. Diese Aktion war ein Versuch, solidarisch mit inhaftierten Frauen zu sein, die zum Teil wegen der Inhaftierung wegen Selbstverteidigung vor geschlechtsspezifischer Gewalt waren. Darüber hinaus artikulierte der internationale Block von Protestierenden ihre Wut mit einem Global Scream, der die verinnerlichte Frustration der Demonstranten festhielt, aber auch die kollektive Stimme von Frauen sichtbar machte.

Feminismus, der in Solidaritätskampagnen - innerhalb und außerhalb des Bundestags - verwurzelt ist, kann eine direkte Herausforderung für den Femonationalismus darstellen. Zugleich besteht der politische Test in den kommenden Jahren darin, offene und transparente Forderungen zu entwickeln, um die wachsende rechtsextreme Bewegung Deutschlands, diebeständige Fremdenfeindlichkeit in Europa, die Angriffe auf die Umwelt und die geschlechtsspezifischen Aspekte der Welt und Wirtschaftskrise in Frage zu stellen. Da eine neue Generation von Feministinnen und Queers eine Bewegung aufbaut, die sich mit den Anliegen Arbeit, Migration, Gesundheit und Inhaftierung befasst, muss dieser Feminismus mit übergreifenden, kompromisslosen und nuancierten Initiativen rechnen, die einen inklusiven Feminismus formulieren können.

[1] Helene Stöcker: Das Werden der sexuellen Reform seit hundert Jahren, in: Hedwig Dohm u. a. (Hg.): Ehe? Zur Reform der sexuellen Moral. Berlin 1905, S. 36–58. It must be noted that she fled from Nazi Germany and was in opposition to anti-Semitic policies.